Wie wir Medien einordnen
Pressewaage ordnet Medien auf einer politischen Spektrum-Skala ein. Diese Einordnung ist eine redaktionelle Einschätzung – keine objektive Tatsachenbehauptung. Wir stützen sie so weit wie möglich auf veröffentlichte Forschung statt auf ein Bauchgefühl.
Wissenschaftliche Grundlage
Wichtigster methodischer Bezugspunkt ist der Reuters Institute Digital News Report (Universität Oxford, für Deutschland ausgewertet vom Leibniz-Institut für Medienforschung / Hans-Bredow-Institut). Dort verorten sich jährlich rund 2.000 Befragte selbst auf einer Links-Rechts-Skala und geben an, welche Nachrichtenmarken sie nutzen. In seiner Polarisierungs-Analyse positioniert das Reuters Institute Medien danach, wie sich das Publikum einer Marke politisch verteilt – gemessen im Vergleich zur Gesamtbevölkerung. Deutschland ist eines der dort untersuchten Länder.
Wichtig zur Einordnung: Für Deutschland veröffentlicht der Report keine markengenauen Links-Rechts-Werte. Wir übernehmen also keine fertigen Zahlen. Die Werte auf Pressewaage sind redaktionelle Einschätzungen nach den unten dokumentierten Kriterien – an dieser Logik orientiert und offengelegt, aber nicht aus einer Umfrage berechnet.
Ehrlich dazugesagt: Nach diesen Daten liegen die großen deutschen Nachrichtenmedien überwiegend nahe der Mitte – eine starke Links-Rechts-Polarisierung wie in den USA gibt es hier nicht. Deutliche Unterschiede zeigen sich vor allem an den Rändern.
Die bislang umfangreichste Inhaltsanalyse zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk (Maurer/Kruschinski/Jost, Universität Mainz, Erhebung April–Juni 2023, veröffentlicht 2024) hat rund 10.000 Beiträge aus neun öffentlich-rechtlichen Formaten sowie 38 privaten Nachrichtenmedien ausgewertet. Ergebnis: insgesamt hohe Themen- und Akteursvielfalt – zugleich aber eine erkennbare Tendenz. Alle neun Formate nahmen „eher eine sozialstaatliche als eine marktliberale Perspektive" ein, in sieben von neun überwogen liberal-progressive gegenüber konservativen Perspektiven.
Entscheidend ist der Vergleich: Die privaten Nachrichtenmedien zeigten weitgehend dieselben Muster. Die Behauptung, ausgerechnet der öffentlich-rechtliche Rundfunk sei im Vergleich zu anderen Nachrichtenmedien besonders einseitig, trifft nach dieser Studie also nicht zu. Deshalb ordnen wir ARD, ZDF und Deutschlandfunk als Mitte ein – „Mitte" heißt hier: nahe am Durchschnitt der deutschen Nachrichtenlandschaft, nicht „ohne jede Tendenz".
Konkret stützen wir jede Einordnung auf die Eigendarstellung des Mediums, seine Eigentümerstruktur, die beobachtete Themenauswahl und das Framing sowie – als Vergleichsmaßstab – auf etablierte internationale Ratings (AllSides, Ad Fontes Media, Media Bias/Fact Check). Bei kleinen oder eindeutig positionierten Medien wiegt die Eigendarstellung besonders schwer, weil sie am wenigsten Interpretation erfordert.
Unsere 29 Outlets im Spektrum
Medien-Kompass: zwei Achsen
„Bias" ist mehr als links gegen rechts. Der Kompass ergänzt die klassische Achse (links ↔ rechts) um eine gesellschaftspolitische (progressiv ↔ konservativ). So wird sichtbar, dass z.B. ein wirtschaftsliberales und ein national-konservatives Medium beide „rechts" sein können – aber gesellschaftspolitisch sehr unterschiedlich stehen.
Waagerecht: links ↔ rechts (klassisch/ökonomisch) · Senkrecht: progressiv ↔ konservativ (gesellschaftspolitisch). Hover für Details.
Die Skala
Einordnungskriterien
Eigendarstellung
Wie beschreibt sich das Medium selbst?
Trägerschaft / Eigentümer
Wem gehört das Medium?
Themenauswahl
Welche Themen werden bevorzugt aufgegriffen?
Framing
Wie werden politische Akteure dargestellt?
Externe Forschung
Reuters Institute, Studien zu Mediennutzung und ‑wahrnehmung.
Leserschaft
Welche politische Gruppe liest das Medium bevorzugt?
Deutsche Besonderheiten
- Öffentlich-Rechtliche (ARD, ZDF, Deutschlandfunk) haben einen gesetzlichen Ausgewogenheitsauftrag und werden als Mitte eingeordnet.
- Das Mehrparteiensystem macht die Links-/Rechts-Achse komplexer als in den USA.
- Regionale Medien haben oft eigene politische Traditionen.
Rechtlicher Hinweis
Alle Einordnungen sind Meinungsäußerungen im Sinne von Art. 5 GG und werden als solche transparent gekennzeichnet. Sie erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Unfehlbarkeit.
Anregungen und begründeter Widerspruch sind ausdrücklich willkommen: nico@memosprint.de. Betroffene Medien erreichen uns auch über das Impressum; wir prüfen jede begründete Rückmeldung und korrigieren, wo sie zutrifft.