Wie wir Medien einordnen
Pressewaage ordnet Medien auf einer politischen Spektrum-Skala ein. Diese Einordnung ist eine redaktionelle Einschätzung – keine objektive Tatsachenbehauptung. Wir stützen sie so weit wie möglich auf veröffentlichte Forschung statt auf ein Bauchgefühl.
Wissenschaftliche Grundlage
Wichtigster empirischer Anker ist der Reuters Institute Digital News Report (Universität Oxford, für Deutschland ausgewertet vom Leibniz-Institut für Medienforschung / Hans-Bredow-Institut). Dabei verorten sich jährlich rund 2.000 Befragte selbst auf einer Links-Rechts-Skala; jedes Medium wird nach der durchschnittlichen politischen Haltung seines Publikums eingeordnet. Das ist eine nachvollziehbare, wiederholt erhobene Datengrundlage – kein Urteil einer einzelnen Person.
Ehrlich dazugesagt: Nach diesen Daten liegen die großen deutschen Nachrichtenmedien überwiegend nahe der Mitte – eine starke Links-Rechts-Polarisierung wie in den USA gibt es hier nicht. Deutliche Unterschiede zeigen sich vor allem an den Rändern. Auch die bislang umfangreichste Inhaltsanalyse dazu (Universität Mainz, 2023) findet keine besondere Einseitigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks – deshalb ordnen wir ARD, ZDF und Deutschlandfunk als Mitte ein.
Wo empirische Publikumsdaten fehlen (kleinere oder eindeutig positionierte Medien), stützen wir uns zusätzlich auf die Eigendarstellung des Mediums, seine Eigentümerstruktur und etablierte internationale Einordnungen (AllSides, Ad Fontes Media, Media Bias/Fact Check) als Vergleichsmaßstab.
Unsere 29 Outlets im Spektrum
Medien-Kompass: zwei Achsen
„Bias" ist mehr als links gegen rechts. Der Kompass ergänzt die klassische Achse (links ↔ rechts) um eine gesellschaftspolitische (progressiv ↔ konservativ). So wird sichtbar, dass z.B. ein wirtschaftsliberales und ein national-konservatives Medium beide „rechts" sein können – aber gesellschaftspolitisch sehr unterschiedlich stehen.
Waagerecht: links ↔ rechts (klassisch/ökonomisch) · Senkrecht: progressiv ↔ konservativ (gesellschaftspolitisch). Hover für Details.
Die Skala
Einordnungskriterien
Eigendarstellung
Wie beschreibt sich das Medium selbst?
Trägerschaft / Eigentümer
Wem gehört das Medium?
Themenauswahl
Welche Themen werden bevorzugt aufgegriffen?
Framing
Wie werden politische Akteure dargestellt?
Externe Forschung
Reuters Institute, Studien zu Mediennutzung und ‑wahrnehmung.
Leserschaft
Welche politische Gruppe liest das Medium bevorzugt?
Deutsche Besonderheiten
- Öffentlich-Rechtliche (ARD, ZDF, Deutschlandfunk) haben einen gesetzlichen Ausgewogenheitsauftrag und werden als Mitte eingeordnet.
- Das Mehrparteiensystem macht die Links-/Rechts-Achse komplexer als in den USA.
- Regionale Medien haben oft eigene politische Traditionen.
Rechtlicher Hinweis
Alle Einordnungen sind Meinungsäußerungen im Sinne von Art. 5 GG und werden als solche transparent gekennzeichnet. Sie erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Unfehlbarkeit. Anregungen und begründeter Widerspruch sind ausdrücklich willkommen.